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Startseite ›Anton Pannekoek als revolutionärer Marxist
(Buchbesprechung Anton Pannekoek, The Workers’ Way to Freedom & Other Council Communist Writings (1935-1954), herausgegeben und eingeleitet von Robyn K. Winters)
Die Zukunft gehört den Arbeitern, aber die meisten von ihnen wissen es noch nicht. (Anton Pannekoek, 1907)
Wir beendeten unser Buch über die Russische Revolution(1) mit der Gegenüberstellung zweier fehlerbehafteter und entgegengesetzter Ansichten, die aus der Erfahrung der ArbeiterInnenklasse abgeleitet wurden. Die erste war Bordigas Ansicht, dass die ArbeiterInnenklasse nur durch die Partei existiere und diese nicht nur eine Waffe der ArbeiterInnenklasse sei, die den revolutionären Angriff auf den Kapitalismus anführe, sondern auch eine Regierung im Wartestand, die nach diesem Angriff die Herrschaft ausüben werde. Im Gegensatz dazu zitierten wir auch den Rätekommunisten Otto Rühle(2), der argumentierte, dass die Parteiform selbst von Natur aus bürgerlich sei und somit das genaue Gegenteil der proletarischen Revolution darstellte. Ein Leser fragte uns später, warum wir den Beitrag von Rühle und nicht den des berühmteren Rätekommunisten Anton Pannekoek hervorgehoben hätten. Unsere Antwort war ganz einfach. Wir wollten einfach die Extreme der Diskussionen über das Verhältnis von Partei und Klasse hervorheben, die sich an den Lehren der letzten revolutionären Welle entzündet hatten. Pannekoeks Ansichten waren viel differenzierter als die von Rühle, obwohl beide während der deutschen Revolution ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.
Antonie (oder Anton) Pannekoek (1873-1960) erlebte eine Epoche mit gewaltigen Höhen und Tiefen der ArbeiterInnenbewegung, vor allem aber die revolutionäre Welle, die dem Ersten Weltkrieg ein Ende setzte. Die Folgen der anschließenden Niederlage sind noch heute spürbar. Zum einen hatte sie den Kapitalisten die existentielle Gefahr vor Augen geführt, die von der internationalen ArbeiterInnenklasse ausgehen kann, wenn sie noch einmal so organisiert auftritt wie damals. Die zweite war der ungeheuerliche Aufstieg totalitärer Staaten nach stalinistischem Vorbild, die sich als „sozialistisch“ ausgaben. Allein deren Existenz reichte aus, um das ursprüngliche, emanzipatorische Ziel des Marxismus zu diskreditieren und damit die Aussichten für das Entstehen einer neuen Klassenbewegung zu erschweren. Da das kapitalistische System heute erneut auf einen neuen imperialistischen Krieg zusteuert, ist es so dringend wie eh und je, zu versuchen aus dieser revolutionären Vergangenheit die notwendigen Lehren zu ziehen.
Pannekoek war vergleichsweise kurz an diesen Ereignissen unmittelbar beteiligt. Doch auch nachdem er diese turbulente Periode in der Geschichte der ArbeiterInnenklasse durchlebt hatte, blieb er sein ganzes Leben lang Marxist, überzeugt davon, dass der Schlüssel zur revolutionären Umgestaltung in der Entwicklung des Klassenbewusstseins der Masse der ArbeiterInnenklasse selbst liegt. Ein Rückblick auf diese jüngste Herausgabe einiger seiner Schriften gibt uns die Gelegenheit, seinen Beitrag zum Kampf für eine klassenlose Gesellschaft näher zu betrachten (wenn auch nur kurz).
Der Einfluss von Joseph Dietzgen auf Pannekoeks Denken
Pannekoek wurde nicht durch Ausbeutung, Armut oder Unterdrückung zum Sozialismus getrieben. Er begann sein politisches Leben als Anhänger der Liberalen Partei in den Niederlanden, genau wie sein Vater, der ein aufstrebender liberaler Geschäftsmann war. Zum Marxismus kam er erst in seinen späten Zwanzigern, als er bereits begonnen hatte, sich als Astronom einen Namen zu machen, und auf Edward Bellamys utopischen Roman „Equality“ gestoßen war. Dies war für ihn ein entscheidender Wendepunkt, oder wie er es ausdrückte: "Zum ersten Mal dämmerte mir, dass alle Theorien eine soziale Grundlage und Bedeutung haben und sich als Reaktion auf reale materielle Interessen und nicht auf abstrakte Überlegungen entwickeln."(3) Pannekoek empfand die marxistische Wirtschaftstheorie jedoch als „zu deterministisch“(4), was ihn nach einem „geistigeren“(5) Marxismus suchen ließ. Er glaubte, diesen in den Arbeiten von Joseph Dietzgen gefunden zu haben, einem der seltenen Arbeiterphilosophen des 19. Jahrhunderts, der sowohl von Marx als auch von Engels geschätzt wurde. Dietzgen, von Beruf Gerber, wurde von Engels als der erste bezeichnet, der die Methode von Marx als „historischen Materialismus“ bezeichnete, noch bevor Plechanow den Begriff berühmt machte. Der Einfluss von Dietzgen auf Pannekoeks Denken war tiefgreifend und zog sich durch alle Phasen seiner politischen Entwicklung. Seine Bewunderung für Dietzgen war so groß, dass er sogar so weit ging zu behaupten, dass es fraglich sei. „ob sie (Marx und Engels) die wesentlichen Punkte, auf die es hier ankommt und die von dem, was sie bewegte, weitab lagen.(6)
Pannekoek war der Ansicht, dass Dietzgen die marxistische Idee des historischen Materialismus vervollständigte.
Marx wies nach, wie die Produktionsverhältnisse den Inhalt des Denkens ändern; Dietzgen untersuchte die Gesetze des Denkens selbst. Marx zeigte, daß der Inhalt des Denkens völlig durch die wirkliche Welt bestimmt wird; Dietzgen wies nach, wie die Gedanken sich zur Wirklichkeit verhalten. `Wo Marx aufzeigte, was die gesellschaftliche Materie an dem Geiste tut, zeigte Dietzgen, was Der Geist selbst tut´ (Gorter, Der Historische Materialismus).(7)
Dies scheint ein Schritt weg von Marx' berühmter Aussage zu sein:
Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.(8)
Pannekoek kontert jedoch mit einem anderen berühmten Zitat von Marx:
…allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.(9)
Pannekoek bezieht sich in seinen Schriften mehrmals auf dieses Zitat, selbst in seiner Zeit als Linkskommunist verwendet er 1920 in seiner Schrift „Weltrevolution und kommunistische Taktik“ eine gekürzte Version des obigen Zitats, wobei er den vorangehenden „materiellen“ Teil der Passage weglässt:
Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt…
Für Pannekoek muss die marxistische Sichtweise auf das Ganze zwei Prämissen berücksichtigen:
Wenn wir zuerst den Satz aussprechen: `Die Menschen werden in ihrem Handeln völlig durch die materiellen Verhältnisse bestimmt´, und dann den anderen: `Aber die Menschen müssen ihre Geschichte selbst machen durch ihr eigenes Handeln´ – so bilden sie zusammen erst die ganze marxistische Auffassung. Der erste schließt die Willkür aus, als könnte man eine Revolution nach Belieben machen; der zweite beseitigt den Fatalismus, als hätten wir nur abzuwarten, bis in wunderbarer Weise aus irgendeiner Reife der Entwicklung die Revolution von selbst emporschießt. So richtig beide Sätze theoretisch sind, so werden sie doch notwendig im Laufe der Entwicklung verschieden betont.(10)
Pannekoek war sich jedoch sehr wohl bewusst, was dies zur Folge haben würde,
So werden zwei Marxisten, die unter dem Einfluss dieser verschiedenen Stufen stehen, sich verschieden äußern, indem der eine vor allem die Bedingtheit, der andere vor allem die Aktivität des Geistes betont; sie werden ihre Wahrheiten gegeneinander ins Feld führen und doch genau derselben marxistischen Theorie huldigen.(11)
Die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen den Ideen und den materiellen Umständen, die sie hervorbringen, war zeitlebens ein zentrales Thema für Pannekoek, aber er tendierte immer zur idealistischen Seite der Frage.
Innerhalb der Sozialdemokratie
Nachdem er mit seiner bürgerlich-liberalen Vergangenheit gebrochen hatte, wurde Pannekoek schnell zu einer wichtigen Kraft in der Leidener Sektion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und schließlich zu einer der wichtigsten intellektuellen Figuren der internationalen marxistischen radikalen Linken in der sozialdemokratischen Bewegung. Dies geschah zu einer Zeit, als die Massenstreiks in den Niederlanden und die Revolution von 1905 im Russischen Reich die zunehmend reformistische Sozialdemokratie der Zweiten Internationale vor neue Herausforderungen stellten. In den Niederlanden selbst hatte Pannekoek das erbärmliche Agieren seiner eigenen SDAP in der Massenstreikwelle von 1903, einem der größten Arbeitskämpfe in der Geschichte der Niederlande beobachten können. Die SDAP hatte die Streiks zunächst unterstützt, doch die Führung ging später dazu über sie zu sabotieren, weil sie befürchtete, dass sie zu „politisch“ würden („Politik“ war etwas, das der Parteivorsitzende Troelstra ihrer parlamentarischen Fraktion vorbehalten wollte). Pannekoek war es, der Troelstra für diesen Verrat anprangerte: „Ihr schlaffes und zögerliches Verhalten kann nur der besitzenden Klasse und der Regierung dienen“.(12) Es war seine erste konkrete Erfahrung mit dem Versagen einer vermeintlich sozialistischen Partei bei der Unterstützung von Klassenaktionen, eine Erfahrung, die seine Position in der späteren Auseinandersetzung mit Karl Kautsky prägen sollte.
Dennoch war es Kautsky selbst, der Pannekoek 1904 nach Deutschland einlud, um in der Parteischule der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) in Berlin zu arbeiten. Bald musste er (wie Karl Radek und Rudolf Hilferding) mit der Begründung kündigen, dass die Polizei drohte, sie als „Ausländer“ auszuweisen. Die Partei bezahlte jedoch weiterhin seine schriftstellerische und rednerische Tätigkeit, und er wurde in der Bremer Linken sehr aktiv, indem er neben Johann Knief und Paul Fröhlich wöchentlich für die Bremer „Bürger-Zeitung“ schrieb. Seine vielversprechende Karriere als Astronom legte er für seine Tätigkeit als Berufsrevolutionär auf Eis. In dieser Zeit schreibt Pannekoek auch regelmäßig für „De Nieuwe Tijd“ und „Die Neue Zeit“, die von Kautsky herausgegeben wurde, mit dem er und sein Freund, Herman Gorter, bis 1910 eine gute persönliche und politische Beziehung pflegte. Zu diesem Zeitpunkt war die niederländische Linke um Gorter und Pannekoek bereits aus der SDAP ausgeschlossen worden und machte gemeinsame Sache mit der radikalen Linken in der deutschen Sozialdemokratie.
Die Auseinandersetzung mit Kautsky hatte 1909 begonnen, als dieser sein Buch „Der Weg zur Macht“ veröffentlichte. Kautsky genoss für seine Verteidigung der marxistischen Orthodoxie gegen den Revisionismus von Eduard Bernstein auch in der radikalen Linken der SPD hohes Ansehen. Doch die „marxistische Orthodoxie“ der SPD wurde nun zu einem versteinerten Dogma, das die Idee des Sozialismus auf eine ferne Zukunft verschob und die Rolle der ArbeiterInnenklasse darauf reduzierte, ihre Stimme für die Parlamentskandidaten der SPD abzugeben. Die SPD war die größte sozialistische Partei der Welt, mit enormen Ressourcen und einer massenhaften Unterstützung durch die ArbeiterInnenklasse, doch sie stand einer echten und aktiven Antwort der ArbeiterInnenklasse auf die neue Wendung, die der Kapitalismus nahm, zunehmend im Wege. Pannekoek teilte mit Rosa Luxemburg die Einsicht, dass der Kapitalismus im Zeitalter des Imperialismus gefährlicher denn je wurde.(13) Beide erkannten, dass die ArbeiterInnenklasse in einen direkteren Konflikt mit dem Kapitalismus geriet. Beide sahen in den Massenstreiks, die sich in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt hatten, den elementaren und organisierten Ausdruck des Bewusstseins der ArbeiterInnenklasse. Seltsamerweise betrachtete zu diesem Zeitpunkt noch keiner von beiden die im gesamten Russischen Reich entstehenden Arbeiterräte (Sowjets) als etwas Bedeutendes, aber beide legten den Schwerpunkt auf die Selbsttätigkeit der Arbeiterinnen und Arbeiter als Ausdruck der realen und revolutionären Bewegung der Klasse. Und an diesem Punkt sahen beide die Rolle der Partei darin, der Massenbewegung einen revolutionären Ausdruck zu verleihen. Demgegenüber versuchte Kautsky in seiner Schrift „Der Weg zur Macht“, die Gefahr zu bekämpfen, die er in der „unorganisierten Aktion“ sah. Wie Troelstra legte er den Schwerpunkt auf die Partei und ihre Fähigkeit, die Klassenbewegung zu führen, zu disziplinieren und zu kontrollieren. Dem lag die fatalistische Vorstellung zugrunde, dass der Kapitalismus unter dem Gewicht seiner eigenen Widersprüche eines Tages zusammenbrechen und daraus schließlich der Sozialismus hervorgehen würde. In der Zwischenzeit hätte die ArbeiterInnenklasse nichts weiter zu tun, als die SPD ins Parlament zu wählen und ihren Gewerkschaften beizutreten. Pannekoek wies alle diese Annahmen in einer Polemik gegen Kautsky zurück, die 1912 unter dem Titel „Marxistische Theorie und revolutionäre Taktik“ in der „Neuen Zeit“ veröffentlicht wurde.
Er lehnte die Rolle der Partei in dieser Debatte nicht ab. Im Gegenteil, wie Lenin in jener Zeit vertrat er die Ansicht, dass sie dem revolutionären Wesen des Marxismus gerecht werden müsse. Ausgehend von seinem Verständnis des historischen Materialismus, wie er von Dietzgen entwickelt wurde, verteidigte Pannekoek seine Vorstellung von der bedeutenden Rolle des Klassenbewusstseins in der kommenden sozialen Revolution. Da diese Frage sein ganzes Leben lang im Mittelpunkt seines Denkens stand, lohnt es sich, ausführlich zu zitieren:
Der Marxismus erklärt alles Handeln der Menschen in Geschichte und Politik aus den materiellen, insbesondere den wirtschaftlichen Verhältnissen. Ein immer wiederkehrendes bürgerliches Missverständnis wirft uns vor, dass wir dabei den menschlichen Geist ausschalten, den Menschen zum toten Werkzeug, zur Marionette wirtschaftlicher Kräfte machen. Demgegenüber heben wir immer hervor, dass der Marxismus den Geist nicht ausschaltet. Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Geist hindurch. Ihr Handeln wird durch ihren Willen, durch alles, was in ihrem Geiste als Idee, Prinzipien, Beweggründe lebt, bestimmt. Aber der Marxismus sagt, dass dieses Geistige in dem Menschen völlig ein Produkt der ihn umgebenden materiellen Welt ist, dass also die wirtschaftlichen Verhältnisse nur dadurch sein Handeln bestimmen, dass sie auf seinen Geist einwirken und seinen Willen bestimmen. Die soziale Revolution als Folge der kapitalistischen Entwicklung kommt nur dadurch zustande, dass die wirtschaftliche Umwälzung zuerst den Geist des Proletariats umgestaltet, ihm einen neuen Inhalt gibt und seinen Willen in diese Richtung lenkt. Sowie die sozialdemokratische Betätigung ausdrückt, wie eine neue Einsicht und ein neuer Willen den Geist des Proletariats erfüllt, so ist auch die Organisation Ausdruck und Wirkung einer tiefen geistigen Umwälzung des Proletariats. Diese geistige Umwälzung ist das Mittelglied, durch das hindurch die wirtschaftliche Entwicklung zur Tat der sozialen Revolution führt. Über diese Rolle des Geistes im Marxismus wird zwischen Kautsky und uns keine Meinungsverschiedenheit herrschen.(14)
Er fährt mit dem oben zitierten Argument fort, dass die materielle Grundlage der Ideen und die Ideen selbst von gleicher Bedeutung sind, bevor er mit seinem anderen Schlüsselargument schließt, dass sich die Situation mit den Massenaktionen des Proletariats geändert habe und daher neue Anforderungen an die SozialistInnen stelle. Die deterministische Vorstellung, dass das Proletariat an die Macht kommen würde, „wenn die Bedingungen reif sind“, führe dazu, dass die Sozialdemokratische Partei nun zu einer Bremse für die Bewegung werde, gerade in einer Zeit, in der „der Marxismus nun die Theorie der proletarischen Aktion“ werde. Kautsky hingegen sprach nun ganz offen von der Notwendigkeit für die Partei, „die Massen zurückzuhalten“, bis sie an der Wahlurne an die Macht komme:
Daher kann das Verhältnis von Masse und Partei nicht so sein, wie Kautsky es darstellt. Würde die Partei es als ihre Aufgabe betrachten, die Massen solange als es nur geht von Aktionen zurückzuhalten, so bedeutete die Parteidisziplin den Verlust an Initiative und spontaner Aktionskraft der Massen, einen wirklichen Verlust, statt eine Transformation der Energie. Dann bedeutete die Existenz der Partei eine Schmälerung der revolutionären Kraft des Proletariats statt ihre Stärkung. Sie kann sich nicht einfach hinstellen und abwarten, bis die Massen, denen sie einen Teil ihrer spontanen Kraft genommen hat, trotzdem aus sich selbst losbrechen; die Disziplin, das Vertrauen in ihre Führung, das die Massen ruhig hält, stellt ihr die Aufgabe, aktiv einzugreifen und selbst die Massen im richtigen Augenblick zu Aktionen aufzurufen. Die Partei hat also, wie wir schon darlegten, in der Tat die Aufgabe, revolutionäre Aktionen zu veranstalten, weil sie die Trägerin eines wichtigen Teiles der Aktionskraft der Masse ist – aber sie kann das nicht nach Willkür zu beliebiger Zeit, weil sie nicht den ganzen Willen des ganzen Proletariats restlos in sich aufgenommen hat und es also nicht wie Soldaten aufmarschieren lassen kann. Sie hat den geeigneten Zeitpunkt abzuwarten – nicht bis die Massen nicht mehr zu halten sind und von selbst losbrechen, sondern – bis die Verhältnisse eine so große Erregung und Leidenschaft in den Massen wachrufen, dass große Massenaktionen gelingen können. In solcher Weise verwirklicht sich jetzt die marxistische Lehre, dass die Menschen, durch die ökonomische Entwicklung bestimmt und getrieben, selbst ihre Geschichte machen.(15)
Gegen den imperialistischen Krieg
Kautskys Ruf als „Papst“ des „orthodoxen Marxismus“ blieb noch eine Weile intakt. Der Erste Weltkrieg rückte jedoch die Frage in den Mittelpunkt, was diese „Orthodoxie“ praktisch bedeutete. Entgegen allen Anti-Kriegs-Resolutionen der verschiedenen Kongresse der Sozialistischen Internationale stimmte die Fraktion der deutschen Sozialdemokratie im August 1914 einstimmig (unter Wahrung der Parteidisziplin, da etwa ein Sechstel der Abgeordneten dagegen war) für den Kriegskredite des Kaisers. Begründet wurde dies damit, dass es sich um einen Krieg gegen den „russischen Despotismus“ handele. Kautsky war kein Abgeordneter, aber als er von der Reichstagsfraktion der SPD um Rat gefragt wurde, riet er ihr, sich der Stimme zu enthalten. Dies mit der sehr unmarxistischen Prämisse, dass es sich nicht nur um einen Krieg gegen die zaristische Despotie, sondern auch um einen Krieg gegen „die Demokratien“ Großbritanniens und Frankreichs handeln würde. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, betrachtete er ihn daher als eine lästige Unterbrechung der friedlichen Bedingungen, die die Sozialdemokratische Partei bräuchte, um das Proletariat an den Wahlurnen zur Übernahme der Staatsmacht zu führen. Dies war der einzige Form des „Klassenkrieges“, die er auf dem Zettel hatte. Seine Haltung zum Krieg war also letztlich pazifistisch bestimmte und weit von einer Klassenposition entfernt, wie Lenin in einer Reihe von Artikeln über den „Renegaten Kautsky“ immer wieder betonte. Für Lenin führte der Krieg zu einer Neubewertung der Bedeutung des Marxismus, indem er anerkannte, dass der Imperialismus eine neue Ära des Kapitalismus darstellt und dass der Staat nicht erobert, sondern zerstört werden muss.
Pannekoek befand sich in den Niederlanden, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Zusammen mit anderen Mitarbeitern der Zeitschrift Tribüne lehnt er jedoch sowohl die Vaterlandsverteidigung als auch den Pazifismus ab. Er arbeitet mit der Bremer Linken und anderen InternationalistInnen wie der Gruppe um Borchardts Zeitschrift Lichtstrahlen zusammen, die alle der SPD den Rücken gekehrt hatten und mit Lenin und der Zimmerwalder Linken(16) darin übereinstimmten, dass der Kampf gegen den Krieg nur als „Teil eines allgemeinen Kampfes gegen den Kapitalismus“ Sinn macht.(17) Nach dem Klassenverrat der Zweiten Internationale sah auch Pannekoek der Gründung einer neuen Internationale entgegen. Im Januar 1916 wurde er neben Lenin, Sinowjew und Radek zum Redakteur der neuen, aber kurzlebigen Zeitschrift der Zimmerwalder Linken, Vorbote, deren erste Ausgabe dankenswerterweise durch eine Spende von Henriette Roland-Holst ermöglicht wurde. Wie Lenin sah Pannekoek in der Zeitschrift nicht nur ein publizistisches Werkzeug, um den Gegensatz zwischen Klassenkrieg und imperialistischem Krieg deutlich zu machen, sondern auch den notwendigen ersten Schritt zur Gründung einer neuen, revolutionären Internationale anstelle der diskreditierten Zweiten Internationale der Sozialdemokratie. Doch als Radek die Thesen gegen die nationale Selbstbestimmung des Warschauer Komitees der Sozialdemokratischen Partei des Königreichs Polen und Litauen (Socjaldemokracja Królestwa Polskiego i Litwy, SDKPiL) veröffentlichte(18), provozierte dies einen so erbitterten Streit mit Lenin, dass Pannekoek und Roland-Holst die anderen zu „Mitwirkenden“ degradierten. Die Zeitschrift wurde aus Geldmangel nach nur zwei Ausgaben eingestellt.(19)
Das hinderte Lenin jedoch nicht daran, Pannekoek später in seiner Debatte mit Kautsky in seiner Schrift „Staat und Revolution“ zu loben. Lenin hatte sich 1916 in einem Streitgespräch mit Bucharin dazu veranlasst gesehen, die früheren Schriften von Marx und Engels über den Staat erneut zu prüfen und kam nun zu dem Schluss:
Kautsky gegenüber vertritt eben Pannekoek in dieser Kontroverse den Marxismus, denn gerade Marx hat uns gelehrt, daß das Proletariat nicht einfach die Staatsmacht erobern kann in dem Sinne, daß der alte Staatsapparat in neue Hände übergeht, sondern daß es diesen Apparat zerschlagen, zerbrechen, ihn durch einen neuen ersetzen muß.(20)
Weltrevolution und kommunistische Taktik
Pannekoek seinerseits begrüßte die bolschewistische Revolution enthusiastisch als ersten Schritt im Kampf der WeltarbeiterInnenklasse, die Fesseln des Kapitalismus abzuschütteln, und beteiligte sich nach seiner Rückkehr nach Bremen 1919 an der Gründung von ArbeiterInnenräten nach dem Vorbild der russischen Sowjets.(21) Er schloss sich auch der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an, doch der Verlust ihrer Führer, Luxemburg und Liebknecht, in der Katastrophe vom Januar 1919 löst eine Debatte über die Nützlichkeit der Arbeit in Parlament und Gewerkschaften aus. Für Pannekoek war eine solche Tätigkeit Ausdruck des „Opportunismus“, der dem Untergang der deutschen Sozialdemokratie im Jahr 1914 zugrunde lag. Der Kapitalismus befände sich nun in einer neuen Periode weswegen solche Taktiken nicht mehr zielführend seien. Die Debatte spaltete die KPD und führte zum Ausschluss ihres linken Flügels, der daraufhin die Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD) ins Leben rief. Die KPD schloss sich daraufhin mit den Zentristen der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) zur Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands (VKPD) als deutsche Organisation der Dritten Internationale zusammen. Die KAPD war ursprünglich assoziiertes Mitglied der Dritten Internationale gewesen. Nachdem sie aber ein Ultimatum der VKPD beizutreten abgelehnt hatte, hatte dies ihren Ausschluss aus der Komintern zur Folge.
In diesem Zusammenhang wurde auch Lenins Buch „Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ veröffentlicht, in dem er die gesamte internationalistische Kommunistische Linke anprangerte. Dies war als Angriff auf alle „linken Kommunisten“ in allen Ländern im Vorfeld des Zweiten Kongresses der Komintern angelegt, enthielt aber eine besondere Form der Beschimpfung für „K. Horner“ (alias Pannekoek) den Lenin drei Jahre zuvor noch als wahren Verteidiger des Marxismus gefeiert hatte. Lenin zufolge liefere Pannekoek durch seine Artikel den „soliden Beweis“ in „besonders komischer Weise einen unglaublichen Unsinn“ zusammenzureden und offenbare somit „das ABC des Marxismus nicht begriffen“ zu haben.(22)
Es war absolut bezeichnend für Pannekoek, dass er sich in seiner Antwort nicht auf die gleiche Ebene persönlicher Beschimpfungen herabließ, der sich Lenin hingegeben hatte. Stattdessen bezog er Lenins Polemik auf die immer schwieriger werdende materielle Situation der Revolution in Russland (unter Hinweis auf die materiellen Verluste im Krieg gegen die Weißen). Er hielt es für nachvollziehbar, dass die russischen KommunistInnen Kompromisse suchten, um das unmittelbare Überleben der Revolution zu sichern, warf aber die Frage auf, ob diese Politik auch auf die gesamte Dritten Internationale übertragen werden sollte. Er argumentiert sehr vorausschauend:
Die Dritte Internationale, als Bund der kommunistischen Parteien, die in allen Ländern die proletarische Revolution vorbereitet, steht formell außerhalb der Regierungspolitik der russischen Republik und sollte völlig unabhängig davon ihre eigenen Aufgaben erfüllen. Aber in Wirklichkeit ist diese Trennung nicht vorhanden; so wie die KP das Rückgrat der Sowjetrepublik ist, ist durch die Personen ihrer Mitglieder das Exekutivkomitee mit dem Vorstand der Sowjetrepublik aufs engste verknüpft und bildet so ein Instrument, mittels dessen dieser Vorstand in die westeuropäische Politik eingreift. So wird es verständlich, dass die Taktik der Dritten Internationale – wenn sie von einem Kongress für alle kapitalistischen Länder einheitlich festgelegt und zentral geleitet wird – nicht bloß durch die Bedürfnisse der kommunistischen Propaganda in jenen Ländern, sondern auch durch die politischen Bedürfnisse Sowjetrusslands bestimmt wird.(23)
Ab 1921 erzwang die Dritte Internationale, die zunehmend als Erfüllungsgehilfin des neuen russischen Staates auftrat, die „Einheitsfront“ mit den Parteien der Zweiten Internationale (also derselben Kraft, die für die Ermordung von so vielen KommunistInnen verantwortlich war). Schließlich wurden im Zuge der sog. „Bolschewisierung“ alle linken Elemente aus der Komintern ausgeschlossen. Die KAPD ihrerseits spaltete sich in zahlreiche Fraktionen auf, was 1927 zu ihrem Zusammenbruch führte. Während dieser Zeit, in der die Aussicht auf eine Weltrevolution schwand, wandte sich Pannekoek von der politischen Bühne ab, um seine herausragende Karriere als Astronom von internationalem Rang fortzusetzen. So markiert das Jahr 1921 das Ende seines Vollzeit-Engagements in der kollektiven revolutionären politischen Aktivität, obwohl er in den 1930er und 1940er Jahren mit der niederländischen Groep van Internationale Communisten (GIC) unter der Leitung von Henk Canne-Meijer zusammenarbeitete (die Ausgaben seiner Schriften wie bspw. „Lenin als Philosoph“ veröffentlichte). Ferner schrieb er für Paul Matticks Zeitschriften International Council Correspondence und später Living Marxism. In der Periode der zunehmenden Konterrevolution, die im Stalinismus ihren größten Ausdruck fand, brachte die deutsche Linke den Rätekommunismus hervor.
Der Umgang mit Pannekoeks Erbe
Womit wir bei dem zu besprechenden Buch „The Workers’ Way to Freedom“ wären. Erst an dieser Stelle beginnt es, sich mit dem Beitrag Pannekoeks zum revolutionären Denken zu befassen. Es gibt keinen Hinweis auf die prägende Zeit von Pannekoeks revolutionärer Erfahrung. Dietzgen und seine entscheidende Rolle bei der Herausbildung von Pannekoeks Denken werden nicht einmal erwähnt. Das Zielpublikum des Herausgebers sind eindeutig AnarchistInnen, was zum Beispiel an der Aussage deutlich wird, dass die Inspiration für das Buch von Daniel Guérin stamme, einem ehemaligen Marxisten, der versuchte dessen revolutionäre Aspekte mit dem Anarchismus zu synthetisieren.(24) In Hinblick auf eine zukünftigen Revolution, schloss Guérin seinen kurzen Aufsatz „Towards a Libertarian Communism“ mit den Worten „it will not be authoritarian but libertarian and self-managing, or, if you like, councillist“.(25) Im Gegensatz zum vagen Mutualismus Kropotkins sieht Guérin in den russischen ArbeiterInnenräten die historisch entdeckte Form der Übernahme der Gesellschaft durch die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Aufhebung der Klassenspaltung und gleichzeitig die Schaffung einer Organisationsform, die, wie Pannekoek in seiner Schrift „Weltrevolution und kommunistische Taktik“ hervorhob, zur Abschaffung des Staates führen würde.
Es gibt jedoch bereits eine anarchistische Website, die sich ausgiebig mit Pannekoeks Schriften befasst.(26) Sie ist viel breiter angelegt und veröffentlicht seine Arbeit gegen Kautsky aus dem Jahr 1912 sowie seine Antikriegsartikel. Leider ist der Anspruch der Herausgeber an diese „geschickte Sammlung“ ein wenig übertrieben. Sie behaupten, dass die erste Hälfte des Buches „von einem Manuskript transkribiert wurde ... das nie zuvor vollständig veröffentlicht wurde“. Doch von den 24 Kapiteln und 2 Anhängen können nur 6 (das sind 60 der 303 Seiten) wirklich als unveröffentlicht bezeichnet werden. Und niemand scheint sich gefragt zu haben, warum Pannekoek diese handschriftlichen Notizen nicht auf Englisch veröffentlicht hat, obwohl er noch fast drei Jahrzehnte lebte. Pannekoeks üblicher Schreibstil besteht darin, einen Absatz mit einer einzigen Aussage zu beginnen, als ob es sich um eine Hypothese handelte, und diese dann in aller Ausführlichkeit zu erläutern. Die handschriftlichen Dokumente, die der Herausgeber im Pannekoek-Archiv(27) gefunden hat, sind in einem völlig anderen Stil geschrieben, mit sehr kurzen und stakkatoartigen Sätzen und wenigen Ausführungen. Es scheint, als ob Pannekoek sich darin üben wollte, sich auf Englisch auszudrücken. Und einige dieser Sätze wollte er vielleicht nicht öffentlich machen, wie zum Beispiel seine falsche Vorhersage, dass sowohl Amerika als auch Europa wirtschaftlich ruiniert aus dem kommenden (Zweiten) Weltkrieg hervorgehen würden.(28) In seinem Buch „Die Arbeiterräte“ von 1947 schrieb er sogar das Gegenteil und argumentierte, dass der Zweite Weltkrieg dem amerikanischen Kapitalismus eine große Chance geboten hätte.
Pannekoek wurde in den Veröffentlichungen seiner Werke nach seinem Tod im Allgemeinen nicht gerade fair behandelt. Sein Buch „Die Arbeiterräte“ wurde 1970 von der Gruppe Root and Branch von Paul Mattick jr. als Broschüre herausgegeben, enthielt aber nur Teil I und II (und ließ Pannekoeks Überlegungen zur Kriegs- und Nachkriegssituation in den Teilen III, IV und V weg). Merlin Press legte sein Buch „Lenin als Philosoph“ auf, aber der angebliche begleitende Essay von Korsch fehlte, und das neueste Angebot von PM Press ist noch enttäuschender. Selbst seine viel beachtetes Buch über die Geschichte der Astronomie wurde ins Englische übersetzt, wobei der letzte Absatz weggelassen wurde.(29) Darin wird Pannekoeks anhaltendes Engagement für den historischen Materialismus und die menschliche Zukunft einer „freien, selbstverwalteten Weltgemeinschaft der produktiven Arbeit“ deutlich:
Wir haben das Wachstum der astronomischen Weltanschauung seit dem ersten Auftauchen der Zivilisation aus dem prähistorischen Stadium der Barbarei verfolgt. In diesem Wachstum der Wissenschaft haben wir das faszinierende Schauspiel eines geistigen Entwicklungsprozesses vor uns, der die Entwicklung der Menschheit während der gesamten Zivilisationszeit begleitet hat. Und so viele Wunder der Erkenntnis und Einsicht diese Wissenschaft auch gebracht hat, ihre Aufgabe ist noch lange nicht erfüllt. Bei unserer nächsten Nachbarwelt, dem Mond, stehen wir noch vor Fragen, bis zur passiven Beobachtung das aktive Experimentieren hinzukommen kann. Über unsere unmittelbare Umgebung im Universum, das Sonnensystem, hat unser Wissen erst vor kurzem das Stadium der allgemeinen Ungewissheit verlassen und ist in jeder Hinsicht noch unvollkommen. Unser Wissen über die Galaxie und über die Sterne selbst steht noch in den Anfängen und beschränkt sich auf das Äußere; über den unendlichen Raum dahinter und über das Innere der Sterne, über ihre Entwicklung in Vergangenheit und Zukunft, gibt es kaum einen ersten Ansatz von Verständnis; alles ist dort noch ein Problem. In jedem Teil, in jedem Bereich stehen wir vor einer Reihe von spannenden Fragen. Es ist an der Zeit, dass die Menschheit durch die Errichtung einer freien selbstverwalteten Weltgemeinschaft produktiver Arbeit zur Sicherung ihres materiellen Lebens in Fülle alle geistigen Kräfte für die Vervollkommnung ihrer Naturerkenntnis, der Wissenschaft vom Universum, freisetzt.(30)
Das Buch „The Workers' Way to Freedom“ scheint ein weiteres Beispiel für den schlampigen Umgang mit seinem Erbe zu sein. Der Herausgeber gibt dies fast zu, indem er uns sagt, dass es sich um einen „frühen Durchgang durch rätekommunistische Ideen“ handelt, die „... oft Punkte widerspiegeln, die in Pannekoeks Arbeiterräten und seinem Buch Lenin als Philosoph von 1938 gemacht wurden“.(31) Kurz gesagt, es fügt Pannekoeks Vermächtnis nichts hinzu und lenkt in gewisser Weise davon ab. Der Herausgeber erzählt uns mehr darüber, wie er dazu kam, Pannekoeks Notizen abzuschreiben, als wir jemals über Pannekoek selbst erfahren. Wäre da nicht der Anhang A, Paul Matticks Nachruf auf Pannekoek zwei Jahre nach seinem Tod 1960, „transkribiert aus dem Marxists Internet Archive“, hätten wir überhaupt keinen Bezug zu Pannekoeks marxistischer Weltanschauung.(32) Und, wie bereits erwähnt, findet sich im Buch kein einziger Hinweis auf den kritischen Einfluss von Dietzgen auf Pannekoek. Kurzum, hier wird eine Chance vertan, die Relevanz von Pannekoeks Schriften im modernen Kontext zu diskutieren. Hierfür ist es besser, die Originale von Pannekoek kritisch zu lesen, die inzwischen alle auf mindestens drei Seiten online sind.(33)
Krise und Klassenzusammensetzung
Wir sagen „kritisch“, weil wir, abgesehen davon, dass es im Sinne des Mannes selbst ist, einen Beitrag sorgfältig prüfen müssen, der vor mehr als 60 Jahren endete. Seitdem hat sich im Kapitalismus und in der Zusammensetzung der ArbeiterInnenklasse viel verändert. Als Pannekoek 1960 starb, hatte sich diese Zusammensetzung seit dem Tag, an dem er in die Politik eintrat, nicht wesentlich verändert. Es war immer noch eine weitgehend fordistische Industriewelt mit großen Fabriken, die Tausende von Arbeiterinnen und Arbeitern beschäftigten, wie es sie heute nur noch selten gibt. Ältere ArbeiterInnen werden verstehen, wovon Pannekoek spricht, wenn er argumentiert, dass die Vertretung der Räte in den Abteilungen jeder Fabrik beginnen wird, aber Pannekoek starb inmitten des längsten Booms in der Geschichte des Kapitalismus. Er hat das Ende des Nachkriegsbooms in den 1970er Jahren und den Beginn der Krise nicht mehr erlebt.
Der Versuch, die ArbeiterInnen dafür zahlen zu lassen, stieß zunächst auf den heftigen Widerstand der ArbeiterInnenklasse in der ganzen Welt. Die kapitalistischen Staaten auf allen Kontinenten versuchten, ihre Profite zu steigern, indem sie die Löhne durch Inflation senkten. Es kam zu wilden Streiks, Betriebsbesetzungen und Versuchen der Arbeiterselbstverwaltung (die zum Scheitern verurteilt sind, solange der Kapitalismus existiert), aber der Würgegriff der nun in den Staat integrierten Gewerkschaften verhinderte, dass sich der Kampf zu einer echten Revolution ausweitete. Und als das immer noch nicht reichte, begannen die Kapitalisten, das Kapital abzuschreiben, was zu einer Rückkehr zu Arbeitslosenzahlen führte, wie es sie seit den 1930er Jahren nicht mehr gab. Gegen Lohnkürzungen zu kämpfen ist eine Sache, aber für Arbeitsplätze zu kämpfen, wenn sie den Kapitalisten egal sind, ist eine andere. Der heldenhafte Widerstand der Klasse hielt bis in die 1980er Jahre an, konnte aber den brutalen Prozess der kapitalistischen Umstrukturierung nicht aufhalten. In den 1990er Jahren wurden die meisten der riesigen Produktionseinheiten entweder aufgegeben oder abgebaut, da die Schwerindustrie mit ihrem Kapital in die neuen Sonderwirtschaftszonen (genauer gesagt „Sonderausbeutungszonen“) in China und anderswo verlagert wurde. Hinzu kommen der technologische Wandel hin zum Mikroprozessor und der Niedergang der alten Industrien. Heute müssen wir konstatieren dass die ArbeiterInnenklasse in den reichsten kapitalistischen Ländern stärker fragmentiert ist und in kleineren Produktionseinheiten arbeitet. Dies stellt RevolutionärInnen vor eine andere Herausforderung, die weit über das hinausgeht, was Pannekoek in seinem Buch „Die Arbeiteräte“ vorschwebte. Abschließend wollen wir kurz darauf eingehen, was dies bedeutet.
Der Rätekommunismus …
Alle wirklichen an der ArbeiterInnenklasse orientierten RevolutionärInnen sind heute im gewissen Sinne „RätekommunistInnen“. Wie Pannekoek richtig bemerkte, waren die Räte (oder Sowjets) die große historische Entdeckung des russischen Proletariats. Sie bilden nicht nur die organisatorische Grundlage für den Kampf um die Ersetzung der kapitalistischen Profitproduktion durch eine Gesellschaft, in der die Produktion ausschließlich der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dient. Pannekoek war sich darüber im Klaren, dass die Räte die organisatorische Grundlage einer klassenlosen Gesellschaft ohne Staat bilden werden. Im Kampf für den Sozialismus geht es nicht nur um die Veränderung des Charakters der wirtschaftlichen Produktion, sondern auch um das Instrument, durch das die soziale Umgestaltung der Menschheit erfolgen kann. Die politische Teilhabe wird sich nicht darauf beschränken, dass die „Bürger“ einmal in fünf Jahren wählen dürfen, sondern dass in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen Delegierte gewählt werden, die jederzeit wieder abwählbar sind, um sicherzustellen, dass sie die wirklichen Interessen der Werktätigen vertreten. Pannekoek ist jedoch der Ansicht, dass die ArbeiterInnenräte in Russland „spontan“ entstanden seien, und er geht davon aus, dass dasselbe wieder geschehen wird.
Zunächst einmal erklärt die Idee der „Spontaneität“ rein gar nichts. Selbst in der Welt der Naturwissenschaften haben solche Dinge wie „spontane Selbstentzündungen“ materielle Ursachen, auch wenn sie für den äußeren Beobachter nicht immer offensichtlich sind. Wir wissen, dass der elementare Klassenkampf die ArbeiterInnen von Zeit zu Zeit dazu zwingt, die Grenzen der kapitalistischen Ordnung zu überschreiten. Sie überraschen oft selbst die am besten vorbereiteten RevolutionärInnen, aber es gibt immer materielle Gründe dafür, und diese werden erst im Laufe des Kampfes deutlich. Auch die Behauptung des spontanen Charakters der Räte in der Russischen Revolution ist nicht einmal historisch ganz korrekt (auch wenn Pannekoek das vielleicht nicht wusste).
Der erste Sowjet in Iwanowo-Wosnesensk entstand aus dem materiellen Bedürfnis der ArbeiterInnen in diesem russischen „Manchester“, alle Streiks in ihrem Gebiet zu zusammenzuführen, um sie effektiver zu machen. Monate später stammte der Vorschlag für den ersten Petersburger Sowjet 1905 mit ziemlicher Sicherheit von einem menschewistischen Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), und das Procedere der Wahl war einer zaristischen Untersuchungskommission entlehnt.(34) Zweitens haben wir heute nicht die gleiche Konzentration von ArbeiterInnen, und das bedeutet, dass das Bewusstsein innerhalb der Klasse stärker zersplittert ist als zu Pannekoeks Zeiten. Das erhöht nur die Notwendigkeit für diejenigen, die sich bereits über die kapitalistische Ausbeutung im Klaren sind, eine Art politische Vereinigung zu bilden, die versucht, mehr und mehr ArbeiterInnen in ihre Denkweise hineinzuziehen. Kurz gesagt, so etwas wie eine Partei.
… und sein Anathema
Für die meisten RätekommunistInnen, die in der Tradition der niederländischen und deutschen Linken behaftet sind, ist dies ein Anathema. Leute wie Paul Mattick, Otto Rühle und Anton Pannekoek haben alle die gleiche Erfahrung gemacht: Sie mussten mit ansehen, wie die ArbeiterInnenrevolution nicht nur von einer, sondern von gleich zwei Internationalen verraten wurde. Die sozialdemokratischen Parteien der Zweiten Internationale verrieten die ArbeiterInnen nicht nur 1914, indem sie den imperialistischen Krieg unterstützten, sondern massakrierten auch 1919 und in den Folgejahren revolutionäre Arbeiterinnen und Arbeiter, um den deutschen Kapitalismus zu verteidigen. 1919 wurde die Dritte Kommunistische Internationale gegründet, aber in weniger als zwei Jahren übernahm sie dieselben sozialdemokratischen Ideen, das Parlament und die Gewerkschaften zu nutzen, die Pannekoek und seine Genossen in der KAPD als falsche „opportunistische“ Schritte ansahen, um schnell eine Massenanhängerschaft zu gewinnen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die niederländische und die deutsche Kommunistische Linke die Parteien als bloße Instrumente betrachteten, um eine Minderheit an die Macht zu bringen, egal wie sehr diese auch behaupten mögen, die Klasse zu vertreten. Aber es gab auch Differenzen in den Reihen der RätekommunistInnen, die in den 1930er Jahren auftraten.
Als sich die Konterrevolution zum Stalinismus entwickelte, bezeichnete Paul Mattick senior schließlich alles, was mit der Russischen Revolution zu tun hatte, als „bolschewistisch“ und stellte die Verschwörungstheorie auf, dass die Bolschewiki die Idee der ArbeiterInnenräte nur unterstützt hätten, um die Macht für ihre Partei zu erlangen.(35) Otto Rühle hingegen kam einfach zu dem Schluss, dass „alle Parteien bürgerlich“ seien.(36) Wie wir bereits gesehen haben, neigte Pannekoek, der stets wissenschaftlich vorging, dazu, sterile und persönliche Polemik zu vermeiden. Er versuchte vielmehr die materiellen Gründe für die Konterrevolution in Russland zu verstehen. Er erkannte an, dass die ArbeiterInnenräte unter den Bolschewiki „etwa sechs Monate lang“ funktionierten, ebenso wie viele andere Organe der ArbeiterInnenselbstorganisation (Fabrikkomitees, Genossenschaften usw.). Pannekoek geht nicht genau auf die Revolution ein und unterlässt es daher zu erwähnen, dass es die Bolschewiki waren, die die Sowjets seinem eigenen Idealmodell des Rätesystems näher brachten, als sie die Abberufung der Delegierten einführten.(37) Selbst wenn er den Begriff „Leninismus“ verwendet, geht es dabei weder um Lob noch Schmähungen, wie bei den meisten Kommentatoren, sondern bezieht sich speziell auf die Gründung des Marx-Engels-Instituts, das ursprünglich von Riazanov und Deborin geleitet und von Stalin als Instrument zur Förderung des „Lenin-Kults“ reorganisiert wurde.(38)
Pannekoek unterscheidet sich von den anderen RätekommunistInnen dadurch, dass seine gesamte Sichtweise auf der Vorstellung beruht, dass die ArbeiterInnenklasse sich der Notwendigkeit einer neuen Gesellschaft bewusst wird. Doch Bewusstsein per se ist bedeutungslos, wenn es keine organisatorische Form annimmt. Pannekoek sieht die Räte als die ideale Form an, ist sich aber auch bewusst, dass revolutionäres Klassenbewusstsein nicht ohne Debatte und Diskussion unter den ArbeiterInnen erreicht werden kann, weshalb er die Idee von „Parteien“, die auf diesem Prozess basieren, nicht ausschließt:
Das bedeutet, dass jene großen Zeiten vom Lärm des Parteienstreits erfüllt sein werden. Diejenigen, die gleiche Anschauungen haben, bilden Gruppen, um sie zu diskutieren und zu propagieren, zur Aufklärung ihrer selbst und ihrer Kameraden. Solche Gruppen mit gemeinsamer Auffassung mögen Parteien genannt werden; aber ihr Charakter ist ganz anders als der der Parteien der früheren Welt. Während des Zeitalters des Parlamentarismus waren Parteien Organe verschiedener und entgegengesetzt gerichteter Klasseninteressen. In der Arbeiterbewegung waren sie Organisationen, die die Führung der Klasse ergriffen, als ihre Wortführer und Repräsentanten auftraten und damit nach Führung und Herrschaft trachteten. Jetzt wird ihre Funktion nur noch der geistige Kampf sein. Für das praktische Handeln bedarf die Arbeiterklasse ihrer nicht mehr; sie hat sich ihre eigenen Aktionsorgane, die Räte geschaffen.(39)
Das Problem für Pannekoek sind nicht so sehr die „Parteien“, sondern die Frage, wer nach der Revolution die Macht innehat. Die Deutsch-Holländische Kommunistische Linke war nicht die einzige Strömung, die über die Lehren der Konterrevolution nachdachte. In der Tradition der Italienischen Linken erkannte auch die 1943 in Italien gegründete Partito Comunista Internazionalista (PCInt), dass eine Partei zwar eine unverzichtbare Waffe der ArbeiterInnenklasse im Kampf für den Kommunismus ist, dass sie sich aber auch grundlegend „von den politischen Parteien der früheren Welt unterscheiden“ müsse.
Es wäre ein großer und gefährlicher Irrtum für die Zukunft zu glauben, dass die ArbeiterInnenklasse in dem Moment, in dem sie ihre Partei gründet, irgendwie - ganz oder auch nur teilweise - auf die Eigenschaften verzichtet, die sie zum Totengräber des Kapitalismus machen, als ob andere als Alternative agieren und das gleiche Bewusstsein für die Notwendigkeit haben könnten, gegen den Klassenfeind zu kämpfen und ihn in der Revolution zu stürzen. Zu keinem Zeitpunkt und aus keinem Grund darf das Proletariat seine kämpferische Rolle aufgeben. Es delegiert seine historische Mission nicht an andere, und es gibt die Macht an niemanden ab, nicht einmal an seine eigene Partei.(40)
Der Unterschied besteht darin, dass Pannekoek sich nicht mit dem Problem auseinandersetzte, dass der Weg zum revolutionären Klassenbewusstsein vor der Revolution kein gradliniger ist. Die PCInt-Plattform erkennt an, dass das Entstehen einer Partei (eines „Teils“ der Klasse) im Prozess der Bewusstwerdung der Klasse vor einer revolutionären Periode ebenso notwendig wie unvermeidlich ist, da die ArbeiterInnen den Kapitalismus an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich erleben. Die Bewahrung der im historischen Kampf gewonnenen Einsichten ist nur eine Aufgabe der Partei. Ihre Rolle wird sich nicht nur wie bei Pannekoeks auf Erziehung und Propaganda beschränken, sondern auch auf die Organisation des Angriffs auf die Macht durch die Klasse als Ganzes. Aber wie Pannekoek andeutet, kann diese „neue Partei“ keine Regierung im Wartestand sein. Sie wird keine von den Sowjets getrennte „Arbeiterregierung“ bilden (wie es die Bolschewiki 1917 im Sownarkom, dem sog. „Rat der Volkskommissare“ taten, der kaum von den Exekutivorganen der Sowjets kontrolliert wurde, bevor er diese schließlich weitgehend verdrängte), aber ihre Mitglieder werden an den Räten und ihren Organen aktiv sein. Und wie auch Pannekoek weiß, ist die Einrichtung der Räte an sich noch kein vollständiger Sieg. Sie sind zunächst einmal nur eine Arena, in der der Kampf für den Sozialismus stattfinden kann.
Die Partei muss in dieser Arena ideologisch dafür kämpfen und sich gleichzeitig auf die andere Aufgabe konzentrieren, für die sie ausgerüstet ist - die Förderung der Weltrevolution, um sich mit den kommunistischen ArbeiterInnen auf der ganzen Welt zu verbinden. In dem Maße, wie sich die Räte allmählich auf die Abschaffung der Klassen und der kapitalistischen Produktion zubewegen, ändern sie auch ihre Funktion von Organen des Kampfes zu Organen der Verwaltung der Bedürfnisse der Gesellschaft - kurz gesagt, sie sind der Schlüssel zum Absterben des Staates, der historisch im Klassenkampf selbst entdeckt wurde.(Jock)
Anmerkungen:
(1) J. Dominie, Russia: Revolution and Counter_-Revolution, 1905-1924 - A View from the Communist Left_, S. 276: leftcom.org
(2) Dabei handelt es sich um eine Sichtweise, die ursprünglich für die frühe Gruppe Revolutionary Perspectives (einer der Vorläufer der Communist Workers' Organisation,CWO) attraktiv war, und die englische Übersetzung von Rühles Schrift „Von der bürgerlichen zur proletarischen Revolution“ von DG Place, einem der Gründer von Revolutionary Perspectives, vorgenommen wurde. Sie wurde dann von dem verstorbenen Dave Graham (Graeme Imray, ein ehemaliges Mitglied der CWO und der Workers' Voice davor) auf der alten libcom-Website veröffentlicht und ist jetzt auf marxists.org wieder aufgetaucht.
(3) Zitiert nach J. Gerbers Einleitung zu Serge Bricianers „Pannekoek and the Workers' Councils“: files.libcom.org
(4) So Gerbers Beschreibung.
(5) Pannekoek verwendete oft den Begriff „geistig“ (den er von Dietzgen übernommen hatte), wenn er sich auf das Denken oder das Bewusstsein bezog.
(6) Anton Pannekoek: Lenin als Philosoph, Frankfurt am Main 1969, S 47. Obwohl sie Dietzgen öffentlich als „unseren Philosophen“ lobten, waren Marx und Engels auch skeptisch gegenüber seiner Betonung der Idee, dass das Denken an sich ein Faktor sei, der der materiellen Welt fast gleichgestellt sei. Am 4. Oktober 1868 hatte Marx an Engels geschrieben: „Lies das Manuskript durch. Meine Ansicht ist, dass Dietzgen am besten tut, wenn er seine sämtlichen Gedanken in 2 Druckbogen zusammenfasst und sie in seinem Namen als Gerber drucken lässt. Veröffentlicht er sie in dem Umfang, den er beabsichtigt, so blamiert er sich durch Mangel an dialektischer Entwicklung und Drehn im Kreise. Schreibe Deine Ansicht nach Durchlesung.“ (MEW, Bd. 32, S. 174.)
(7) Anton Pannekoek: Lenin als Philosoph, S. 47.
(8) Karl Marx: Vorwort zur Kritik der Politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 9.
(9) Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, MEW Bd. 1, S. 385
(10) Anton Pannkeok: „Marxistischer Theorie und revolutionäre Taktik“: marxists.org
(11) Ebenda
(12) In Het Volk, 26. März 1903. Zitiert in „The Dutch and German Communist Left“ (International Communist Current, 2001), S. 33. Es kann auch online vom ursprünglichen Autor, Philippe Bourrinet, gefunden werden (mit zusätzlichen Fußnoten): files.libcom.org
(13) Dies obwohl Pannekoek Luxemburgs ökonomische Theorie, in der sie die Grundlagen des Imperialismus erklärte, nicht akzeptierte, 1913 kritisierte er sogar ihre Schrift „Die Akkumulation des Kapitals“. Luxemburg entgegnete ihm in ihrer Antikritik. Siehe K.J. Tarbuck (Hrsg.) Imperialism and the Accumulation of Capital (Penguin 1972), S. 67 ff.
(14) Anton Pannekoek: Marxistische Theorie und revolutionäre Taktik: marxists.org
(15) Ebenda, Hervorhebungen durch uns.
(16) Zur Resolution der Zimmerwalder Linken und ihren Kontext, siehe: leftcom.org
(17) Siehe dazu „The Dutch and German Communist Left, S. 108.
(18) Siehe dazu Radeks Thesen über den Imperialismus (1915): leftcom.org
(19) Siehe Warren Lerner: Karl Radek - The Last Internationalist (Stanford 1970) S. 44-7 und R. Craig Nation in seinem Buch War on War (Haymarket 1989) S. 112-4.
(20) Lenin: Staat und Revolution: marxists.org
(21) In seiner Schrift „Weltrevolution und kommunistische Taktik“ (1920) betonte er mehrmals, dass „die neue Ordnung in Russland immer mehr an Stärke gewinnt“.
(22) Lenin: Der Linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus:
(23) Anton Pannekoek: Weltrevolution und kommunistische Taktik: aaap.be
(24) Wir sind diesbezüglich bereits auf Daniel Guérin eingegangen. Siehe dazu Marxismus und Anarchismus: leftcom.org
(28) The Workers’ Way to Freedom_ S.11.
(29) In einer seltenen Kooperation im Kalten Krieg übersetzte die NASA 1962 eine russische Rezension von „A History of Astronomy“, in der Pannekoeks fortgesetztes Engagement für die menschliche Emanzipation hervorgehoben wurde. Die russische Rezension stellte fest, dass Pannekoek der ägyptischen Astronomie weniger Zeit widmete, weil ihre Arbeit ganz im Dienste der Theokratie und nicht der Gesellschaft im Allgemeinen stand: articles.adsabs.harvard.edu
(30) Der letzte Absatz von Pannekoeks "Een geschiedenis van de sterrekund“ (Eine Geschichte der Astronomie). Wir danken Vico vom Antonie Pannekoek Archiv für das niederländische Original und die Übersetzung.
(31) The Workers’ Way to Freedom_ S.3.
(32) The Workers’ Way to Freedom_ S. 225. Matticks Nachruf findet sich auf: marxists.org
(33) Eine große Auswahl seiner Schriften sowie weitere Artikel über Pannekoek selbst (einschließlich der hier zitierten Arbeiten von Bricianer und Gerber) befindet sich auf libcom.org
(34) Siehe Oskar Anweiler, The Soviets (Merlin 1974) S.53.
(35) So Mattick in seinem Buch „Anti-Bolshevik Communism“. Eine kritische Rezension ist in Revolutionary Perspectives Nr. 14 zu finden: files.libcom.org
(36) Siehe bspw. seine Schrift „Von der bürgerlichen zur proletarischen Revolution“ (left-dis.nl) oder seinen berühmten Text „Die soziale Revolution ist keine Parteisache“ (marxists.org)
(37) Siehe dazu “Decree on the Right of Recall” in „First Decrees of Soviet Power“ herausgegeben von Y. Akhapkin (Lawrence and Wishart 1970) S.42.
(38) Aus Platzgründen können wir hier nicht auf das Buch „Lenin als Philosoph“ eingehen, doch kann man mit Sicherheit sagen, dass Pannekoek, indem er die Entstehung des Staatskapitalismus in der UdSSR 1938 an einer Schrift, die Lenin vor dem Ersten Weltkrieg schrieb, festmacht erneut eine idealistische Schlagseite offenbart.
(39) Anton Pannekoek, Die Arbeiterräte, Frankfurt 2008, S. 115.
(40) Politische Plattform der Partito Comunista Internazionalista: leftcom.org
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