Spanien 36: Antifaschismus versus Klassenkampf

Kaum ein historisches Ereignis ist innerhalb der bürgerlichen Linken mit so vielen Mythen behaftet wie der Spanische Bürgerkrieg. Vielen gilt „Spanien 1936-1938“ als „Symbol grenzüberschreitender Solidarität und gemeinsamen antifaschistischen Widerstands“, ja sogar als „Lehrstück über antifaschistische Bündnispolitik“, gerade in Zeiten in denen die extreme Rechte im Auftrieb sei.(1) Doch bezeichnenderweise scheiterte der hier so gefeierte „Antifaschismus“ in Spanien gerade da, wo er Effektivität vorgaukeln wollte (und in all seinen Facetten immer noch will) – die Verwandlung der Demokratie in eine Diktatur im breitest möglichen Bündnis aller Gutmenschen verhindern zu wollen. Grund genug also sich noch einmal eingehender mit dem Mythos „Spanien 36“ zu beschäftigen.

Das Dilemma der Volksfront

Der Militärputsch vom 18 Juli ereignete sich in einem Klima zunehmender politischer Polarisierungen und verschärfter Klassenkämpfe. Die spanische Republik ging 1931 aus dem Zusammenbruch der Militärdiktatur von Miguel Primo de Riveras hervor, als sich die ökonomischen und sozialen Probleme Spaniens als nahezu unlösbar erwiesen. Ihre treibenden Kräfte waren liberal und fortschrittlich eingestellte Intellektuelle, die die Interessen der Industriebourgeoisie vertraten und für einen Modernisierungskurs eintraten. Obwohl die republikanischen Kräfte in den sog. „bieno negro“ („Zwei Schwarzen Jahren“) zuweilen hart gegen die ArbeiterInnenbewegung und besonders die AnarchistInnen vorging, stießen ihr Reformvorhaben auf den Widerstand der agrarischen Kapitalistenklasse, die um ihre angestammten Privilegien fürchteten. Im Februar 1936 ging die sog. „Volksfront“, also das Bündnis aus Liberalen, Sozialisten und der damals noch kleinen KP Spaniens bei den Wahlen als Sieger hervor. Dies tat dem Klassenkampf keinen Abbruch. Vielmehr intensivierten die ArbeiterInnen ihre Kämpfe und forderten von den bürgerlichen Politikern die Einhaltung ihrer großspurig verkündeten Wahlkampfversprechen ein. Streiks, Attentate und Aussperrungen waren in der ersten Hälfte des Jahres 1936 an der Tagesordnung.

Das Unvermögen der Regierung der „Linken“ den Klassenkampf in geordnete Bahnen zu lenken, war letztendlich einer der Hauptmotive für die Militärs um General Franco den Putschversuch zu wagen. Die Volksfrontregierung aus Liberalen und Sozialisten wurde vom Putsch vollkommen überrascht und stand dem Treiben der Militärs weitgehend hilf- und tatenlos gegenüber. All ihre Versuche mit den Putschisten zu einer Verständigung und einem Kompromiss zu kommen scheiterten kläglich. Überall dort wo die Aufrufe der Regierungsparteien zu Ruhe und Ordnung befolgt wurden, setzten sich in der Regel die Putschisten durch. Faschistischer Terror und blutige Repression waren die Folge. Doch in weiten Teilen Spaniens stieß der Putsch auf den spontanen Widerstand der ArbeiterInnenklasse. ArbeiterInnen traten in den Streik, gingen massenhaft auf die Straße und stellten sich den Putschisten entgegen. Als sich die Volksfrontregierung weigerte Waffen auszugeben, stürmten sie die Kasernen und bewaffneten sich selbst. Die spontane Aktion der Klasse vereitelte nicht nur den Putsch, der zum Fiasko zu werden drohte, sie paralysierte zeitweise den gesamten Staatsapparat. Wie bei vorherigen Aufständen und Revolten handelten die spanischen Massen radikaler und konsequenter als die Führungen ihrer Organisationen, allerdings gingen sie nicht über deren Bezugsrahmen hinaus.

AnarchistInnen an der Regierung

„Sie haben gesiegt, Sie können bestimmen“, erklärte der katalanische Regierungschef Lluis Companys gegenüber der Führung der anarchistischen Massengewerkschaft CNT.(2) Doch die AnarchistInnen machten wenig Anstalten, dem angeschlagenen Staatsapparat den Rest zu geben. „Freiheitlicher Kommunismus kommt jetzt nicht in Betracht. Lasst uns zuerst die Meuterei zertreten“ erklärte das katalanische Regionalkomitee der CNT.(3) Die CNT blies den für den 23. Juli anberaumten Generalstreik ab. Am 26. Juli rief das katalanische Regionalkomitee die Mitglieder der CNT auf „nicht weiter (zu) schauen“ als bis „zur Niederschlagung des Faschismus“. Dieser Entscheidung lag die Einschätzung zugrunde, dass der Klassenkampf und die Perspektive der sozialen Revolution dem Kampf gegen den Faschismus untergeordnet werden müsse. Im Sinne dieser antifaschistischen Logik traten die AnarchistInnen zunächst in die katalanische Regionalregierung und später in die Madrider Zentralregierung ein.

Damit wurden die AnarchistInnen Teil einer bürgerlichen Regierung, deren erklärtes Ziel die Verteidigung der „Demokratie“, also derselben bürgerlichen Ordnung war, die den Faschismus hervorgebracht hatte. Diese politische Agenda wurde von den AnarchistInnen vollauf akzeptiert und verinnerlicht. „Wir sagen erst Krieg dann Revolution. Die Regierung alleine darf befehlen“ hieß es in der anarchistischen Presse. Gegenüber der eigenen Basis wurde dieser Schritt als revolutionäre Tat ausgegeben. Das anarchistische Zentralorgan „Solidaridad Obrera“ feierte den Regierungseintritt

als den vorzüglichsten Tag in der Geschichte unseres Landes (…) die Umstände haben das Wesen der spanischen Regierung und des spanischen Staates verändert. Die Regierung, das Instrument, das die Staatsorgane lenkt, hat aufgehört die Unterdrückungsgewalt gegen die Arbeiterklasse zu sein, wie auch der Staat nicht mehr das Gebilde ist, das die Gesellschaft in Klassen scheidet. Beide werden jetzt mit dem Eintritt der CNT das Volk noch weniger unterdrücken.(4)

Eine soziale Revolution?

Letztendlich führte dies zur Abkehr von jeder Klassenpolitik und zur Auslieferung der erkämpften revolutionären Ansätze an die Bourgeoisie. Dies ist eines der düstersten Kapitel in der Geschichte der anarchistischen Bewegung, wie selbst einige anarchistische Autoren und Historiker einräumen müssen. Gleichwohl stellen viele gängige „linke“ Deutungsmuster die Geschichte auf den Kopf. Die Niederlage der „libertären Revolution“ resultierte in diesen Erzählungen aus den Waffenlieferungen Hitlers und Mussolinis an Franco. Doch es war in erster Linie die Unterordnung und Aufgabe der sozialrevolutionären Perspektive unter die militärischen Erfordernisse des „antifaschistischen Kampfes“, die zur Niederlage führte. Wir behaupten nicht, dass es damals eine Garantie für eine erfolgreiche soziale Revolution gegeben hätte. Es ist müßig im Nachhinein darüber zu spekulieren. Fest steht jedoch, dass die ersten Ansätze einer sozialen Revolution bereits im Keim erstickt wurden. Grundlage einer jeden sozialen Revolution ist das bewusste selbsttätige Handeln der Menschen. In diesem Sinne stellten die Kollektivierungen und die vielfältigen, maßgeblich von AnarchistInnen initiierten sozialen Experimente in den Städten und Dörfern Vorwegnahmen einer besseren Gesellschaft dar. Allerdings müssen auch anarchistische Autoren wie Jose Peirats und Vernon Richards einräumen, dass die Kollektive alles andere als ideale Ausdrücke des libertären Kommunismus waren. Oftmals wurden von Franco-Anhängern verlassene Fabriken einfach übernommen und weitergeführt wie bisher. So gibt auch Vernon Richards unumwunden zu, dass viele selbstverwaltete landwirtschaftliche Kollektive nicht anders als eine „Art kollektiver Kapitalismus“ funktionierten.(5) Doch die Stärken und Schwächen dieser Organe und Kollektive sind zunächst einmal irrelevant. Die soziale Revolution dreht sich in erster Linie um die Frage der Zerschlagung des bürgerlichen Staates. Einige AnarchistInnen mochten sich der Illusion hingeben, dass die Gesetze des bürgerlichen Staates in ihren Kollektiven und Gemeinden nicht mehr galten. Doch das waren Illusionen, die sich letztendlich als tödlich erwiesen. Schon damals warnten RevolutionärInnen eindringlich vor diesen Gefahren. So erklärten bspw. die RätekommunistInnen der niederländischen „Groep van Internationale Communisten“ (GIC):

Wenn die Arbeiter wirklich eine Verteidigungsfront gegen die Weißen bilden wollen, können sie das nur unter einer Bedingung: Sie müssen selber die politische Macht erobern, anstatt sie in den Händen der Volksfrontregierung zu lassen. Die Verteidigung der Revolution ist nur auf der Grundlage der Diktatur des Proletariats, auf der Grundlage der Arbeiterräte möglich und nicht auf der Basis einer Zusammenarbeit aller antifaschistischer Parteien. Die Zerstörung des alten Staatsapparats und die Ausübung der Macht durch die Arbeiter selber, sind die Achsen der proletarischen Revolution.(6)

Zu einem ähnlichen Urteil kamen die GenossInnen der „Italienischen Fraktion der Kommunistischen Linken“:

die historische Erfahrung hat gezeigt, dass vor der Abschaffung der politischen Macht der Bourgeoisie keine Rede von Kollektivierung, von Arbeiterkontrolle, von sozialistischer Revolution sein kann.

Die politischen Rahmenbedingungen

In Spanien stellten sich die politischen Ausgangsbedingungen der ArbeiterInnenklasse anders da als im restlichen Europa. Die spanische Bourgeoisie hatte sich nicht am Ersten Weltkrieg beteiligt und eine neutrale Position eingenommen. Den spanischen ArbeiterInnenorganisationen war der Lackmustest des Krieges (vorerst) erspart geblieben. So konnten sich die sozialdemokratische PSOE und die anarchistische CNT trotz ihrer verhängnisvollen Politik (bspw. während des ArbeiterInnenaufstands in Asturien) ihrer Basis gegenüber immer noch als proletarische Organisationen ausgeben. Nach der Niederschlagung der durch den Ersten Weltkrieg hervorgebrachten revolutionären Welle befand sich die ArbeiterInnenklasse im restlichen Europa in der Defensive. Diese schweren Niederlagen der revolutionären Bewegungen ebneten in Italien und Deutschland dem Faschismus den Weg. In Spanien war die ArbeiterInnenklasse zwar ungeschlagen, stand aber wie die „Groep von Internationale Communisten“ (GIC) damals richtig konstatierte, international isoliert da:

Die spanischen Arbeiter stehen nicht einem kriegsgeschwächten Westeuropa, sondern einem gestärkten Kapitalismus gegenüber. Eine proletarische Revolution in Spanien ist nur als Teil einer Revolution in ganz Europa möglich. Ein Sieg des Proletariats in Spanien (gemäß der trotzkistischen Konzeption. Einführung des Sozialismus in einem Land) steht außer Frage, solange das Kapital der Herr und Meister in Europa bleibt, solange die Revolution nicht auch anderswo ausbricht.(7)

Dieser Perspektive standen mächtige Kräfte entgegen. Bei weitem nicht alle Großmächte hatten sich auf eine Politik der Nichtintervention verlegt. Dies mag auf die zynische Politik der britischen und französischen Bourgeoisie zutreffen, die sich aus unterschiedlichen Gründen bedeckt hielten. Doch für die außenpolitischen Ambitionen der UdSSR erwies sich Spanien als lohnendes Interventionsfeld, um außenpolitische Geländegewinne zu erzielen und sich dabei noch die spanischen Goldreserven (damals immerhin die größten der Welt) unter den Nagel zu reißen. Die vielbeschworene „sowjetische Waffenhilfe“ gab es nicht für lau. Sie fiel weitaus bescheidener aus als in der stalinistischen Propaganda und bürgerlichen Geschichtsschreibung dargestellt, war an viele politische Bedingungen geknüpft und, wie der italienische Anarchist Camillo Berneri schrieb, „von konterrevolutionären Erwägungen diktiert“. Fortan gaben russische Diplomaten und Militärexperten den Ton an. Die Kräfteverhältnisse begannen sich grundlegend zu verschieben. „Der spanische Krieg, dem aller Glaube, alle Größe genommen worden ist, bleibt Ringen auf Leben und Tod, ist aber kein Krieg mehr, der eine neue Ordnung und eine neue Menschheit verheißt“, schrieb ein anarchistischer Milizionär von der Huesca-Front.(8)

Weitaus klarer und deutlicher brachten die LinkskommunistInnen der holländischen GIC die Lage der Dinge auf den Punkt:

Der Kampf in Spanien nimmt den Charakter eines Krieges der großen imperialistischen Mächte an. Die ausländischen Waffenlieferungen haben den Kampf auf das militärische Terrain verschoben und damit notwendigerweise das spanische Proletariat den imperialistischen, vor allem aber den russischen Interessen unterworfen.(9)

Genau das der Zweck von Stalins Intervention: Jeder Ansatz einer potentiell revolutionären Bewegung, die als Attraktionspol und Alternative zum stalinistischen Herrschaftsmodell hätte dienen können, sollte im Keim erstickt werden.

„Antifaschismus“ versus Revolution

Mit dem Eingreifen der UdSSR gewann die ursprünglich sehr kleine spanische KP immer mehr an Einfluss. Im Rahmen der von Moskau vorgegeben Volksfrontpolitik präsentierte sich die KP als Partei der Ordnung und bürgerlichen Gesetzlichkeit und wurde damit zum Anziehungspol des Kleinbürgertums, welches sich von den AnarchistInnen bedroht sah. Stalinisten erlangten Ministerposten und brachten den Polizei- und Geheimdienstapparat unter ihre Kontrolle. Altgediente stalinistische Handlanger spannten ein engmaschiges Netz, um Jagd auf Revolutionäre zu machen.

Was Katalonien betrifft, hat die Hinaussäuberung der Trotzkisten und Anarchosyndikalisten bereits begonnen; sie wird mit aller Energie wie in der Sowjetunion durchgeführt werden

drohte die Prawda am 17. Dezember 1936.(10) Tatsächlich bauten die Stalinisten systematisch ihre Positionen aus, um gegen die Strukturen der POUM(11) und schließlich der CNT vorzugehen. Als im Mai 1937 eine stalinistische Polizeipatroullie die von AnarchistInnen kontrollierte Telefonzentrale Barcelonas besetzten wollte, kam es zur offenen Konfrontation. Aus Protest gegen diese Provokation traten die ArbeiterInnen in den Streik und errichteten im gesamten Stadtgebiet Barrikaden. Nach Monaten „demokratischer“ Gängelung und Bevormundung forderten sie die Staatsautorität erneut heraus. Wieder einmal schienen die AnarchistInnen die „Herren der Stadt“ (Companys) zu sein, und wieder setzte die CNT auf einen Kompromiss mit der herrschenden Ordnung. CNT und POUM agierten mehr und mehr als Gefangene ihrer eigenen antifaschistischen Logik. Aus Angst sich dem „demokratischen Staat“ zu entfremden, riefen sie ihre Basis zur Wiederaufnahme der Arbeit auf, und untergruben damit ihre eigene Stärke und letztlich ihre politische Existenzbedingung. Zwar wurden die Auseinandersetzungen zwischen den AnhängerInnen von CNT und POUM auf der einen und den bewaffneten Einheiten der stalinistischen PSUC auf der anderen formell mit einem Waffenstillstand im Sinne der „antifaschistischen Einheit“ beigelegt, doch diese „Einheit“ zielte in erster Linie auf die Wiederherstellung der Staatsautorität. Die Stalinisten die aus diesem Kräftemessen gestärkt hervorgegangen waren, setzten nun zu einer regelrechten Hetzjagd auf Oppositionelle und sog. „unkontrollierbare Elemente“ an. Die POUM wurde verboten und ihre Mitglieder brutal verfolgt, die rebellischen Fraktionen der AnarchistInnen systematisch aufgerieben und die CNT soweit domestiziert, bis sie sich schließlich auch den „antifaschistischen“ Jargon der Macht zu eigen machte.

Lass uns den Defätisten und Pessimisten das Maul stopfen, die jede Gelegenheit nutzen, um von revolutionären Verlusten, Zusammenbruch und Verrat zu quasseln.

dekretierte der Nationalrat der CNT im Mai 1938.(12) Eine unverhohlene Drohung an die letzten verbliebenen KritikerInnen. Der Anspruch des „Antifaschismus“ den demokratischen Staat am effizientesten zu verteidigen, führte zur Erstickung jeder Initiative und Selbstaktivität und schließlich zur Liquidierung von Widerspruch, Kritik und Subversion in Knästen und Folterkellern. Eine verhängnisvolle Entwicklung die schlussendlich Franco den Weg zum Sieg und damit zu weiteren Massakern ebnete. Viele vorgeblich radikale „Linke“ haben Recht wenn sie sagen, dass die soziale Revolution in Spanien zerschlagen wurde. Sie vergessen jedoch zu erwähnen, dass Franco nur das Werk des „Antifaschismus“ zu vollenden brauchte, – einen „Antifaschismus“ den sie nun wieder zu neuen Leben erweckten möchte.

Beyond the Myth

Gelernt hat die Linke aus dieser Niederlage wenig bis gar nichts. Stattdessen sind allerlei „linker Dolchstoßlegenden“ als Erklärungsmuster im Umlauf. Einige verweisen auf das „linke Zerwürfnis“ (also mangelhafte „antifaschistische Einheit“), andere auf das ungünstige militärische Kräfteverhältnis und/oder die mangelnde Unterstützung durch die westlichen Demokratien, die sich dadurch auch angeblich selbst geschadet hätten. Spektrenübergreifend wird der Spanische Bürgerkrieg im linken Geschichtsbild zum Heldenepos romantisiert. Die „heroische Verteidigung der spanischen Republik“ ist nach wie vor die Notenleiter nach der die diversen trotzkistischen und stalinistischen Sekten ihre Einheits- und Volksfrontoperetten daher trällern. Bis heute gilt einigen AnarchistInnen der Revolutionsverzicht von 1936 als Beleg libertärer Tugendhaftigkeit.

Es macht wenig bis gar keinen Sinn bei diesem Reigen mitzumachen. Stattdessen gilt es für internationalistische KommunistInnen einen klaren Trennungsstrich zu ziehen und den Blick freizubekommen für die Perspektive des grenzüberschreitenden Klassenkampfes. Sicher ist es notwendig und richtig sich gegen die Angriffe der Faschisten und extremen Rechten zur Wehr zu setzen. Doch es läuft auf schieren Selbstmord hinaus, sich dabei auf den vermeintlich „demokratischen Staat“ zu beziehen und bürgerlichen Kräften unterzuordnen. „Spanien 36“ hat einmal mehr gezeigt, dass die ArbeiterInnenklasse nur auf ihrem eigenen Terrain, auf der Grundlage ihrer Klassenautonomie für ihre Befreiung kämpfen kann. Um ihren eigenen Interessenskampf zu führen ist es unerlässlich, dass die ArbeiterInnenklasse ihre eigene politische Organisation hervorbringt, die in der Lage ist der Dominanz der bürgerlichen Ideologie in all ihren Facetten Paroli zu bieten und Bewusstsein und Perspektiven in die Kämpfe zu tragen. Das politische Bewusstsein der ArbeiterInnenklasse ist jedoch kein passives Produkt oder gar eine einfache Widerspiegelung der ökonomischen Verhältnisse, sondern Ausdruck politischer Reflexion und Konfrontation. Diesen Prozess der Selbstbewusstseinswerdung zu befördern ist heute eine der vordringlichsten Aufgaben der KommunistInnen um die Grundlagen für die revolutionäre Partei von morgen zu legen. Er findet seinen ersten Ausdruck in der „rücksichtslosen Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebenso wenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten.

GIK

Anmerkungen

(1) So bspw. die bewegungslinke Postille „Analyse und Kritik“ (Nr. 727) oder die stalinistische Kultsekte „Kommunistische Organisation“ in ihren jüngsten Verlautbarungen.

(2) Zit. nach: Joll, James: Die Anarchisten, Frankfurt a.M.- Berlin, o.J. Seite 1968

(3) Zit. nach Broue`; Pierre/Temime, Emile: Revolution und Krieg in Spanien, Frankfurt 1968, Seite 156

(4) Ebenda Seite 255 ff.

(5) Richards, Vernon: Lessons of the Spanisch Revolution, Seite 107 ff.

(6) PIC (Presdienst van de groep van Internationale communisten) Nr. 16, Oktober 1936, „Het anarchosyndicalisme in de spaansche revolutie“, zit. Bourrinet, Phillippe: La Gauche Communiste Germano-Hollandaise des origines à 1968, o.O., o.J. Seite 291

(7) Räte-Korrespondenz, Nr. 18/19, August 1936.

(8) Zit. nach Broue: Revolution und Krieg in Spanien, Seite 294.

(9) Räte-Korrespondenz Nr. 21, April 1937

(10) Broue: Revolution…, Seite 292

(11) Die POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista) war nach eigenem Verständnis eine „revolutionär-marxistische“ Partei, die den Stalinismus aus unterschiedlichsten Motiven kritisierte. Von den Stalinisten wurde die POUM wegen ihrer Kontakte zu Trotzki gehasst. Politisch war die POUM sehr heterogen zusammengesetzt und weit davon entfernt eine revolutionäre Kraft zu sein.

(12) Zit. nach Sana, Heleno: Die libertäre Revolution, Hamburg 2000, Seite 231.

Saturday, July 18, 2026